Ramon Tissler ist ein fleißiger Mensch. Nach dem BWL-Studium verschlug es ihn für zwei Jahre an die University of Mobile, eine christliche Universität an der Küste von Alabama im tiefsten Süden der USA, und beschreibt seine Erfahrung dort unter anderem so:

Das Leben an der Uni ist auf der einen Seite sehr persönlich, weil man ein enges Verhältnis zu den Studenten bekommt, die auf dem Campus wohnen. Daraus sind viele enge Freundschaften, besonders zu den Mitbewohnern entstanden. Ansonsten ist das „Leben“ sprich Sex, Drugs and Rock&Roll sehr begrenzt, da die Baptistische Kirche Alkohol verbietet, genauso wie Frauen in Männerhäusern bzw. auch andersherum, was für manche ziemlich ätzend sein kann.

Immerhin bekam Tissler in Mobile einen MBA im Fach Marketing. Weil ihn sein Auslandsaufenthalt sehr fasziniert zu haben scheint, entschied er sich, anderen Studenten das Ausland näher zu bringen. Er gründete die Webseite college-contact.com im Rahmen eines Existenzgründerwettbewerbs des RCDS (der Studentenorganisation der CDU) „unter [der] Schirmherrschaft von Dr. Jürgen Rüttgers und Dr. Lothar Späth“ und belegte dort den zweiten Platz.

College-Contact scheint ein toller Service zu sein, denn

College-Contact.com bietet einen unabhängigen kostenlosen Beratungsservice per Telefon, Email oder vor Ort in Münster an. Wir können diesen Service kostenlos anbieten, da wir uns mit Werbung auf der Internetseite finanzieren und von den ausländischen Hochschulen, die wir offiziell hier in Deutschland repräsentieren, Marketingbudgets erhalten. Unsere konkrete Beratung und Bewerbung zu Studienprogrammen von all unseren Partnerhochschulen ist demnach ebenfalls kostenlos.

Fragt sich nur, wie ein Beratungsservice „unabhängig“ (sic!) sein kann, wenn sich die Firma selbstredend durch Marketingbudgets ausländischer Universitäten finanziert. Aber nun gut, schauen wir doch mal, was die Seite so anbietet. Schnell mal auf die Sektion „Bachelor Abschlüsse“ geklickt und, oha, eine lange Liste mit Universitäten, für die College-Contact Werbung macht kostenlose Einschreibungshilfe anbietet. Vom renomierten Seattle Central Community College (für läppische $13.284,75 im Jahr) bis zur bekannten Montana State University ($12.700/Jahr) ist das Who-is-Who internationaler Bildungsschmieden im Angebot von College-Contact vertreten.

Nun habe ich den Beratungsservice von College-Contact selbst nicht in Anspruch genommen, aber mich würde schon einmal interessieren, welche Art von „Beratung“ diese Firma nun letztendlich anbietet. Klar ist: Bildung ist heutzutage ein knallhartes Geschäft, vor allem in den USA, mit dem viele Firmen (und auch Universitäten) viel Geld verdienen. Und was College-Contact zum Beispiel nicht erwähnt ist, dass ein Community College in den USA nur mit sehr viel Glück Kurse auf dem Niveau einer gewöhnlichen deutschen Oberstufe anbietet.

Community Colleges sind hauptsächlich für Leute, die es nicht auf ein normales 4-Jahres College (oder eine Universität) geschafft haben oder die lieber eine handwerkliche Ausbildung (oder ähnliches) machen möchten. In diesem Sinne sind Community Colleges eher vergleichbar mit einer deutschen Berufsschule. Nun haben Community Colleges in der Regel keine Aufnahmekriterien – jeder kann sich dort einschreiben. Und weil Community Colleges, welche für viele amerikanische Schulabgänger die einzige Möglichkeit sind, überhaupt noch einen weiterführenden Abschluss zu erlangen, für Amerikaner sehr günstig (und meist staatlich gefördert) sind, freuen sie sich über jeden ausländischen Gaststudenten, denn diese können ordentlich zur Kasse gebeten werden.

Bei College-Contact findet sich natürlich kein Hinweis darauf, dass ein Abschluss von einem Community College in Deutschland so ziemlich wertlos ist. Im Prinzip wäre ein „Studium“ an einem Community College vergleichbar mit einem intensiven Sprachkurs. Nur, möchte man dafür allein $13.284,75 an Studiengebühren ausgeben? College-Contact erläutert noch nicht einmal sonderlich viel über das Seattle Central Community College selbst, sondern berichtet lieber über die Stadt:

Mitten in der Stadt, nur fünf Minuten von Downtown Seattle entfernt, liegt das Seattle Central Community College. Seattle gehört landesweit zu den führenden Zentren bezüglich Biotechnologie, Software und Luftfahrtindustrie.

Richtig: Seattle hat viele Biotech-, Software- und Luftfahrtunternehmen; wer aber nun glaubt, am SCCC bekäme man eine Ausbildung zum Biochemiker oder zum Softwareengineer, der wird sich wundern. Der obige Satz ist natürlich suggestiv, und dies ist die gesamte Internetpräsenz dieser dubiosen Firma. College-Contact bietet nämlich keine Beratung, sondern macht schlichtweg Werbung!

Ich kann Leute vor so einem Dienst nur warnen. Wer ins Ausland möchte, sollte sich bei einer wirklich unabhängigen Organisation beraten lassen, oder sich selbst alle notwendigen Informationen zusammensuchen. Universitäten, die ihr Geld an eine Firma Zahlen, damit diese ihr unter dem Deckmantel der „Beratung“ Studenten vorbeischickt, haben nämlich häufig ein großes Manko. Sie haben nämlich anscheinend nicht ausreichend Qualität in der Lehre, um selbstständig Studenten anzuziehen.

Damit will ich nicht sagen, alle Universitäten in der Liste von College-Contact seien schlecht. Ich weiß es bei vielen ehrlich gesagt nicht. Und das „Cordon Bleu“ ist sogar eine der besten Kochschulen der Welt (weshalb ich mich wundere, dass sie mit College-Contact kooperiert).

Trotzdem ist der „Service“ von College-Contact sehr dubios. Wer ihnen beispielsweise einen Studenten vermittelt, dem College-Contact widerum ein Studium andrehen an eine Universität vermitteln kann, dem werden €33 Belohnung bezahlt. Da College-Contact für die Vermittlung an „Partneruniversitäten“ ja selbst keine Gebühren verlangt, denke ich mal, dass College-Contact selbst eine Provision für jeden vermittelten Studenten erhält.

Interessant ist auch, wie College-Contact sich ständig mit großen Namen schmückt. Auf der Seite Erfahrungsberichte Auslandsstudium sind zumindest einige wirklich renomierte (und meiner Meinung nach gute) Universitäten aufgelistet, unter anderem Brigham Young, Cornell und Syracuse. Nur: keine der aufgelisteten Universitäten ist Partneruniversität von College-Contact. Kann es sein, dass niemand einen Erfahrungsbericht über ein Auslandsstudium oder Semester an einer Partneruniversität dieser Firma geschrieben hat? Ist es nicht Ziel dieser Firma, Studenten an ihre Partnerunis „kostenlos“ zu vermitteln? Oder waren die Erfahrungsbericht so negativ, dass sie nicht gepostet wurden?

Des weiteren heißt es in dieser Pressemitteilung über eine Partnerschaft mit der „Spitzenhochschule“ (Zitat) INCAE Business School in Alajuela (Costa Rica) beispielsweise:

So kann ein hoher Standard in der Lehre erreicht werden, der zusätzlich durch engen Kontakt mit der Universität Harvard gesichert wird, von der auch einige Absolventen als Dozenten an der INCAE in Costa Rica arbeiten.

Kontakt und Kooperationen mit der Harvard Business School gibt es sogar, wie bei vielen anderen Hochschulen auch. In wieweit Kontakt mit Harvard allein Qualität in der Lehre zu sichern vermag, kann ich nicht beurteilen. INCAE mag sogar eine ordentliche Business School sein, und angeblich haben immerhin 70% aller Dozenten Abschlüsse von tollen amerikanischen Hochschulen. Trotzdem geht es der Schule bei der Partnerschaft mit College-Contact wohl hauptsächlich darum Leute zu finden, die bereit sind für ein zweijähriges Studium in Costa Rica $39.534 auf den Tisch zu legen.

Wie dem auch sei, Ramon Tissler ist in jedem Fall ein toller Hecht. In seinem Lebenslauf erläutert er nochmal, warum er im Vermitteln von Studenten ins Ausland so qualifiziert ist:

Tisslers Interesse für die Begegnung mit fremden Kulturen bestimmt auch seine Freizeit. Er holt sich die Welt über das Internet ins Wohnzimmer.

Auch betreibt er zusätzlich noch 11 weitere Webseiten, nämlich: Karriere-im-Ausland.de, Semester-im-Ausland.de, Language-Programs.net, Medizinstudium-im-Ausland.de, Hotelmanagement-im-Ausland.de, UC-Certificates.com, Sport-Scholarships.com, Internationaldoorway.de, Sprachkurs-Software.de, Studentenpilot.de und University-Brochures.com. Fehlt noch die Web-Design Firma Affective, die laut Portfolio hauptsächlich seine eigenen Web-Projekte durchgeführt hat, und man kann wirklich sagen: Herr Tissler ist ein Geschäftsmann des 21. Jahrhundert – mit einem Produkt, was keiner braucht, viel Schaumschlägerei, fetzigen Webauftritten und einzigartigem Service.

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