Dies sind die Eindrücke eines deutschen Studenten, den das Schicksal ins Ausland verschlagen hat. Weder war dies von langer Hand geplant, noch ein besonders bewusster Prozess, sondern hat sich primär durch Neugier und Zufall so ergeben. Warum ich heute da bin, wo ich bin, vermag selbst ich nicht mit Klarheit zu beantworten, aber vielleicht erzähle ich einfach mal, wie es dazu kam, dass ich heute in USA sitze, und dieses Weblog betreibe:

Nach meinem Abitur wollte ich eigentlich Jura in Deutschland studieren (nicht direkt eine Notlösung, aber auch nicht unbedingt ein Herzenswunsch). Nach einigen, eher abschreckenden, Eindrücken vom Massenunibetrieb, die ich noch während meiner Schulzeit im Rahmen vom „FFF-Programm“ im Fach Mathematik an der Uni Bonn erhielt, habe ich mich kurzerhand bei der damals neugegründeten Bucerius Law School in Hamburg beworben. Die Aussicht, mit € 20.000 Schulden ins Berufsleben zu starten, war zwar auch abschreckend, aber meiner damaligen Meinung nach nicht so abschreckend, wie die Ressourcenknappheit an den öffentlichen Universitäten.

Meine Bewerbung war auch erfreulicherweise Erfolgreich, und so hatte ich schon die Vision eines (langweiligen?) Lebens als Anwalt/Politiker/Richter oder ähnlichem vor Augen. Zunächst kam aber der Zivildienst, den ich als anderen Dienst im Ausland in London absolvieren sollte, und es ergab sich, dass mir Anfang Oktober 2002 zwei gute Freunde erzählten, sie würden mich hoffentlich bald besuchen, denn sie hätten sich in Oxford beworben. Ehrlichgesagt war dies der einzige Auslöser dafür, dass ich mich überhaupt auf die Webseite der University of Oxford verirrt habe. Und nach einem Tag des Überlegens, habe ich mich kurzerhand entschieden, mich auch zu bewerben. Wie ich die Bewerbung damals noch bis zum 15. Oktober, dem Bewerbungsschluss, fertig bekommen habe, weiß ich nicht mehr; ich musste für drei Tage zurück nach Deutschland fliegen, Lehrer beknien, mir innerhalb dieses Zeitraums Referenzschreiben zu schreiben, und alle sonstigen Unterlagen zusammenbekommen.

Wenige Wochen später hatte ich eine Einladung für ein Interview am Queen’s College. Beworben hatte ich mich für den bekannten Studiengang PPE (Philosophy, Politics and Economics), da ich es reizvoll fand, in drei Fächer gleichzeitig reinzuschnuppern.

Etwa zur selben Zeit dachte ich mir, ich könnte es doch auch noch einmal in den USA versuchen. Als Austauschschüler hatte ich bereits ein Jahr in Michigan verbracht, was mir sehr gut gefallen hatte. Jedoch wirkten ungleich komplexere Bewerbungsverfahren, mehrere hunder Dollar für Standardized Tests und ca. $ 70 Bewerbungsgebühr pro Universität nicht wirklich einladend. Hinzu kam, dass die Finanzierung eines Erststudiums in den USA für Ausländer nicht gerade einfach ist (und ich nicht jedes Jahr $ 30.000 Studiengebühren auf den Tisch legen konnte und kann). Finanzielle Förderung für Ausländer in Undergraduate-Studiengängen, wenngleich heute etwas weiter verbreitet, gab es damals eigentlich nur an vier oder fünf einschlägigen Universitäten. Bevor ich die Idee allerdings ganz begrub, stieß ich auf ein sehr ansprechendes Studienprogramm in Yale, das Directed Studies Programm für Erstsemester, was in einem weiten Umfang die Literatur, Philosophie, Geschichte und Politik der westlichen Welt behandelt. Somit entschloss ich mich, trotz der Kosten und Zweifel, mich doch noch in Yale zu bewerben.

Um eine lange Geschichte etwas kürzer zu machen: Oxford hat mich, nach den Interviews und Aufnahmetests, zu meiner Überraschung angenommen , Yale nicht, und so blieb es mir erspart, die Qual der Wahl zu haben. Mich gegen die Bucerius Law School zu entscheiden, fiel mir nicht sonderlich schwer, denn die Fächerkombination in Oxford reizte mich sehr viel mehr, als ein Jurastudium in Deutschland. Auch war ich in der Zwischenzeit auf den Geschmack gekommen, einige Zeit im Ausland zu verbringen, und ein deutsches Jurastudium, so dachte ich, hätte mich in meiner internationalen Bewegungsfreiheit doch etwas eingeschränkt. Unabhängig davon wäre das Studium in Hamburg doppelt und dreifach so teuer gewesen. Und klar: Oxford hat allein schon aufgrund seiner Tradition eine besondere Anziehungskraft.

Jetze ist es etwas über drei Jahre her, dass ich mein Studium als chronisch geldknapper Student in Oxford begann, und während der ganzen Zeit war mir nicht wirklich bewusst, was ich eigentlich machte. Meine Kommilitonen begannen irgendwann sich alle (zumindest fast alle) bei diversen Banken und Beratungsunternehmen zu bewerben, während ich eigentlich noch Lust hatte, weiter zu studieren. Letzten Sommer erhielt ich dann auch meinen Abschluss, und seitdem sitze ich jetzt hier im skurrilen Ithaca im Bundesstaat New York und studiere an der Cornell University für einen PhD in Politikwissenschaften. Und immernoch weiß ich nicht genau, was ich eigentlich mache, wohin der Weg führt, den ich eingeschlagen habe, und wo ich mich in fünf Jahren finden werde.

In diesem Blog werde ich noch ausführlicher über spezielle Erfahrungen berichten. Es richtet sich an Leute, die überlegen, im Ausland zu studieren, selbst im Ausland studiert haben, oder einfach nur neugierig sind. Ich selber würde gerne speziell Eindrücke von Lesern erfahren, die nicht im anglo-amerikanischen Ausland studiert haben, oder studieren, und ja, auch von Studenten in Deutschland, denn ich selbst kenne deutsche Universitäten ja eigentlich nur vom Hörensagen. Andere Themen, die hier angeregt werden, sind Bildungspolitik, der Blick auf Deutschland nach fast fünf Jahren Abwesenheit (Deutschland sieht von außen wirklich anders aus), aber auch allgemeinere Themen aus Politik, Wirtschaft, etc. (ich habe ja diese Fächer nicht umsonst studiert).

Zuletzt lade ich diejenigen, die ernsthaft mit dem Gedanken spielen, in Großbritannien oder den USA zu studieren, ein, Fragen zu Bewerbungen, dem Studienleben, oder auch über Finanzierung, Hürden und Fettnäpfchen zu stellen. Ein Vollzeitstudium im Ausland zu organisieren ist auf keinen Fall einfach, nicht immer sinnvoll, und es gibt wahnsinnig viele Dinge, die ich gerne vorher gewusst hätte, bzw. derer ich mir im Voraus hätte bewusst sein sollen. Nicht zuletzt deshalb würde ich mich freuen, wenn ich einigen Leuten durch dieses Blog helfen könnte.

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4 Antworten to “About”


  1. […] Dass Studieren in den USA ein riesiges Geschäft ist, versteht jeder, der mal einen kurzen Blick auf die Werbeanzeigen zum Thema bei Google und auf die Preislisten von US-Unis wirft. In Deutschland wird das Riesengeschäft vor allem von CDU-Politikern schöngeredet und dabei meist vergessen, dass das Geschäft mit dem Bildungstourismus in die USA auch viele Schattenseiten hat. Steve, der selbst zum Studium in die USA gegangen ist, versucht mit dem Bildungsflüchtlings-Blog ein wenig Licht in das für Ausländer nahezu undurchschaubare Dickicht amerikanischer Bildungseinrichtungen zu bringen. Und nach nicht mal einer Woche bloggen hat er schon die erste Aufforderung, einen Beitrag über “College Contact” aus Münster zu löschen. […]

  2. Dr.Sylvia Burkert Says:

    Danke für die interessanten EInblicke, sind für mich als Lehrerin, die in der Oberstufe unterrichtet, besonders wertvoll, weil unsere Schüler in den USA-Unis gerne das Eldorado sehen – ich werde Ihr blog Seite allen empfehlen.

  3. Katja Says:

    Das ist echt ein toller Bericht und ich hoffe dass ich nicht zu spät bin um meine Fragen an dich zu richten.
    Ich spiele mit dem Gedanken mich in Oxford zu bewerben und erkundige mich nun seit einigen Tagen, was da eigentlich zu tun wäre.
    Was mich wirklich sehr interessiert ist, welche Fragen bei einem solchen Interview gestellt werden und wie man sich darauf vorbereiten kann. Auch habe ich jetzt noch immer nicht ganz verstanden wie das mit dem Notendurchschnitt läuft.
    Wie gut muss ich sein?
    Ich wäre für jeden Tipp dankbar!

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