Eliteuniversitäten


Das Thema Studiengebühren scheint nach wie vor das Reizthema zu sein, wenn es um deutsche Bildungspolitik geht. Die Thematik ist mir nicht ganz unbekannt – als ich noch in England studiert habe, erreichte die Deabtte um eine Verdreifachung der Studiengebühren gerade ihren Höhepunkt. Schon allein deshalb bin ich mit vielen Argumenten gut vertraut.

Für mich als Außenstehender drängt sich jedoch der Eindruck auf, dass in Deutschland selten eine holistische Betrachtungsweise von Bildungspolitik vorgenommen wird. Oftmals drehen sich die Diskussionen (soweit ich das in der Presse von hier verfolgen kann) um einzelne Aspekte, die losgelöst betrachtet werden; ob es sich um Studiengebühren, Eliteuniversitäten oder PISA Studie handelt.

In diesem Beitrag werde ich versuchen, zahlreiche bildungspolitische Aspekte zusammenhängend und nüchtern zu betrachten. Die Thematik hat für mich schon insofern Relevanz, als das ich Deutschland (unter anderem) ja gerade deshalb verlassen habe, weil ich mir im Ausland bessere Bildungschancen versprochen habe. Und gerade die daraus resultierende Frage – war dies eine gute Entscheidung? – ist eine der Zentralen Fragen, die dieses Blog zu thematisieren versucht.

Der folgende Beitrag dreht sich dabei um ein (vermeintliches) Paradoxon – einerseits stimme ich weitestgehend der Argumentation vom bekennenden Gebührengegner Michael Hartmann, Soziologieprofessor an der TU-Darmstadt, zu; andrerseits würde ich mich nicht direkt als Gegner von Studiengebühren in Deutschland bezeichnen. (mehr …)

In den USA gibt es viele gute Universitäten. Neben den berühmten Ivy League Universitäten gibt es zahlreiche öffentliche und private Universitäten mit Weltruf. Allerdings gibt es immer mehr Menschen, die sich an diesen Institutionen bewerben, und so wird es immer schwieriger, einen der begehrten Studienplätze zu ergattern. Anfang der 90er Jahre nahm Harvard noch fast jeden sechsten Bewerber auf, heute schafft es noch nicht mal jeder zehnte. Das gleiche Phänomen ist an so ziemlich allen „besseren“ Universitäten zu beobachten.

Dies wirft einige Fragen auf, z.B. wer es denn letztendlich schafft, einen der begehrten Plätze zu erhaschen. Wieviel Chancengleichheit gibt es? Und was sollte man einen Politiker beim nächsten mal fragen, wenn er oder sie fordert, Deutschland brauche auch ein Harvard?

Fragt man bei den Universitäten, so ist die Sache eindeutig: die Auswahl werde meritokratisch vorgenommen, d.h. es werde schlicht nach Leistung ausgewählt. Kein Student werde aus finanziellen Gründen abgelehnt, und jeder, der den akademischen Ansprüchen genüge, bekäme ein Studienplatzangebot, gegebenenfalls mit großzügiger finanzieller Förderung. Klingt alles wunderbar, wenn es nur der Wahrheit entspräche. Leider ist die Geschichte der Aufnahmeverfahren an den Top-Unis eine Geschichte von Antisemitismus, Rassismus, sozialer Auslese und Diskrimierung. Und diese Geschichte zieht sich bis in die heutige Zeit. (mehr …)

Die oxforder Studentenzeitung Cherwell hat vor kurzem einen Artikel über psychische Probleme und Erkrankungen bei Studenten veröffentlicht. Am Beeindruckensten war hierin die Feststellung, dass ein Drittel aller Studenten in Oxford zugeben, psychische Probleme zu haben. Berücksichtigt man dann noch eine gewisse Dunkelziffer an Leuten, die ihre Probleme noch nicht einmal in einer Umfrage benennen (vielleicht, weil sie sich selbst nich eingestehen wollen, welche zu haben) und es sollte die Frage erlaubt sein, wieso bei einem Studium in Oxford die Hälfte aller Studenten krank werden.

Klar, ein Studium ist immer stressig (wenn man es irgendwie ernst nimmt): Geldprobleme, Beziehungsprobleme, Versagensängste, etc. haben viele Studenten an allen Universitäten dieser Welt. Jedoch hat es schon eine etwas andere Qualität, wenn 36% aller Studentinnen in Oxford angeben, eine Essstörung zu haben, während der Durchschnitt anderer britischer Universitäten gerade mal bei 2,5% liegt. (mehr …)

Zu den Hintergründen, warum ich im Ausland studiere, habe ich ja schon einiges gesagt. Allerdings möchte ich hier ein wenig näher auf meine Motivation eingehen und einige Dinge ansprechen, die in der Öffentlichkeit des öfteren diskutiert werden, oder die mir als weitverbreitete Vorurteile in der Vergangenheit begegnet sind.

Zunächst einmal eine Klar- bzw. Feststellung (und dies kann ich eigentlich gar nicht genug betonen!): viele Dinge, die über das Studieren im Ausland (und ich meine hiermit speziell den anglo-amerikanischen Raum) gesagt oder geschrieben werden, sind entweder schlichtweg falsch, oder sie geben ein arg verzerrtes Bild wieder. Egal ob es um Debatten über Eliteuniversitäten, Braindrain, Bildungspolitik im allgemeinen oder sozio-ökonomische Aspekte im speziellen geht, es entsteht ein gewisses Zerrbild, was beispielsweise zu regelrechten Mythen über Harvard oder Oxbridge in Deutschland führt. Hier erhoffe ich mir, einiges gerade rücken zu können, wenngleich nur mithilfe meiner subjektiven Eindrücke. Zumindest habe ich zu solchen Debatten einen etwas priviligierten Zugang und kann versuchen, die verschiedenen Themen anderen zugänglicher zu machen.

Fakt ist in jedem Fall, dass auch an den Top-Universitäten in England oder den USA nur mit Wasser gekocht wird. Wer sich allein aufgrund von Mythen und der vermeintlichen Reputation dazu entschließt, es hier und dort zu versuchen, wird unter Umständen sehr ernüchtert sein. Ein Studium sollte ein wohlüberlegter Schritt sein, ob in Deutschland oder im Ausland, und im Nachhinein hätte ich mir schon über einige Dinge mehr Gedanken machen sollen. Nein, ich bereue es nicht in Oxford studiert zu haben; aber mit ein wenig mehr Überlegtheit und ein wenig mehr Vorbereitung wäre mir wahrscheinlich so manche Enttäuschung erspart geblieben (dazu später mehr).

Wieso bin ich denn nun ein Bildungsflüchtling? Zunächst vielleicht: der Begriff selbst scheint semantisch ja doch ein wenig eigenartig. Schließlich flüchtet der Bildungsflüchtling ja nicht vor Bildung, sondern erhofft sich ja, diese gerade durch seine „Flucht“ zu finden. Diese Hoffnung, mit all den bekannten Assoziationen (bessere Studienbedingungen, kürzere Studienzeiten, etc.) hatte ich in jedem Fall schon; jedoch ist dies, denke ich, nicht der Hauptgrund für meinen Weg ins Ausland.

Vielmehr hatte ich schon früh Fernweh, bin viel gereist, und fühlte mich immer davon angezogen, Menschen aus anderen Kulturen kennenzulernen und andere Lebensweisen zu erfahren. Für jeden, der den Schritt ins Ausland wagen möchte (zumindest, wenn es über ein oder zwei Auslandssemester hinaus gehen soll), ist dies eigentlich eine Grundvoraussetzung. Neugier und Offenheit sind in jedem Fall essentiell.

Demnach sehe ich mich auch weniger als „Flüchtling“. Im Gegenteil: ich hatte immer vor, irgendwann nach Deutschland wieder zurück zu kehren (die Stimmung war nicht halb so mies, als ich Deutschland verließ), und vielleicht sogar nochmal an einer deutschen Universität zu studieren. Heute sehe ich das durchaus etwas anders, nicht zuletzt, weil die Stimmung so mies ist und mich Politik in Deutschland einfach nur noch deprimiert. (um die Kritik vorneweg zu nehmen: ja, Politik deprimiert mich auch in anderen Ländern, aber als Deutscher habe ich eben einen besonderen Bezug zu dem, was in Deutschland passiert. Amerikanische, britische oder indonesische Politik betrachte ich auch kritisch, aber ich stehe dem doch distanzierter gegenüber.)

In diesem Sinne sei gesagt, dass der Wunsch, im Ausland zu studieren, unabhängig davon vorhanden sein sollte, ob die Studienbedingungen jetzt wirklich so viel schlechter in Deutschland sind, oder nicht. Leider entsteht durch die zahlreichen Bilder, die in den Medien gezeichnet werden, schon fast ein gewisser Druck, es im Ausland zu versuchen. Ich werde in den nächsten Wochen noch einiges über verschiedene Mythen und Gerüchte schreiben, allen voran über so wahnsinnig „informative“ Beiträge, wie die „Mail aus Yale“ Kolumne auf Spiegel Online. Gerade solche „Homestories“ vermögen es nicht, Vor- und Nachteile adäquat darzustellen und zu thematisieren; sie kreieren und erhalten eben das Image der Eliteuniversität, an der alles Super ist, nur perfekte Menschen studieren, die nie in ihrem Leben irgendwelche Probleme haben, und erzeugen durch dieses Image eben oftmals falsche Träume.