Das Thema Studiengebühren scheint nach wie vor das Reizthema zu sein, wenn es um deutsche Bildungspolitik geht. Die Thematik ist mir nicht ganz unbekannt – als ich noch in England studiert habe, erreichte die Deabtte um eine Verdreifachung der Studiengebühren gerade ihren Höhepunkt. Schon allein deshalb bin ich mit vielen Argumenten gut vertraut.

Für mich als Außenstehender drängt sich jedoch der Eindruck auf, dass in Deutschland selten eine holistische Betrachtungsweise von Bildungspolitik vorgenommen wird. Oftmals drehen sich die Diskussionen (soweit ich das in der Presse von hier verfolgen kann) um einzelne Aspekte, die losgelöst betrachtet werden; ob es sich um Studiengebühren, Eliteuniversitäten oder PISA Studie handelt.

In diesem Beitrag werde ich versuchen, zahlreiche bildungspolitische Aspekte zusammenhängend und nüchtern zu betrachten. Die Thematik hat für mich schon insofern Relevanz, als das ich Deutschland (unter anderem) ja gerade deshalb verlassen habe, weil ich mir im Ausland bessere Bildungschancen versprochen habe. Und gerade die daraus resultierende Frage – war dies eine gute Entscheidung? – ist eine der Zentralen Fragen, die dieses Blog zu thematisieren versucht.

Der folgende Beitrag dreht sich dabei um ein (vermeintliches) Paradoxon – einerseits stimme ich weitestgehend der Argumentation vom bekennenden Gebührengegner Michael Hartmann, Soziologieprofessor an der TU-Darmstadt, zu; andrerseits würde ich mich nicht direkt als Gegner von Studiengebühren in Deutschland bezeichnen.

Zunächst einmal vorneweg eine Vorbemerkung: persönlich bin ich sicherlich ein Profiteur von Studiengebühren.

In England musste ich zwar noch Studiengebühren bezahlen, habe aber noch unter der alten Regelung studiert, nach der „lediglich“ £ 1,100 (ca. € 1,700) pro Jahr an Studiengebühren zu entrichten waren. In meinen letzten beiden Studienjahren musste ich diesen Betrag allerdings noch nicht einmal in voller Höhe bezahlen. Verglichen zur Miete von mindestens £ 400 (ca. € 600) pro Monat (und mehr) und generell hohen Lebenshaltungskosten waren die Studiengebühren aber ohnehin nicht wirklich das größte finanzielle Hindernis.

Jetzt ist die Situation allerdings so, dass ich meine großzügige Förderung wohl unter anderem der Tatsache verdanke, dass in Cornell die Bachelor Studenten mitunter bis zu $32,800 pro Jahr auf den Tisch legen – ich selbst zahle keinen Cent, sondern erhalte zusätzlich zu der Erstattung meiner Studiengebühren eine generöse Bewilligung zur Bestreitung meines Lebensunterhaltes. Aus diesem Grund ist es keinesfalls abwegig, mich als „Profiteur von Studiengebühren“ zu bezeichnen.

Vielleicht ist diese Tatsache mit ein Grund, warum ich Studiengebühren weniger abgeneigt bin, als andere Personen (denen ich sonst politisch durchaus nahe stehe), wobei ich versuchen werde auszuführen, warum dem nicht so ist. Ich wollte diese Vorbemerkung lediglich einräumen, bevor es an dieser Stelle zu Mißverständnissen kommt.

Das deutsche Bildungssystem – die Kernprobleme

Das deutsche Bildungssystem ist sicherlich besser, als sein Ruf (welcher im Ausland ohnehin besser ist, als in Deutschland selbst). Überall wird mit Wasser gekocht, und jedesmal, wenn ich mit Freunden in Deutschland telefoniere, bestätigt sich, dass hüben wie drüben hart gearbeitet wird und werden muss.

Trotzdem gibt es im deutschen Hochschulsystem ein eklatantes Problem – der erhebliche Mangel an Ressourcen. Auch hier ist nicht alles Gold was glänzt, aber als Student an einer relativ reichen Universität wie Cornell gibt es schier unerschöpfliche Mittel für die Bildungskarriere. Angefangen bei extrem gut ausgestatteten Bibliotheken (welche bis 2 Uhr morgens geöffnet haben – auch Sonntags), Fördergeldern für Reisen zu Veranstaltungen in aller Welt, modernsten Labors für Naturwissenschaftler, bis hin zur Förderung extracurricularer Aktivitäten von Sport bis Journalismus – alles ist vorhanden. Zudem haben meine Seminare maximal 15 Teilnehmer (in Oxford waren es im Tutorial-System sogar maximal zwei), und ich kann eng mit meinen Professoren zusammenarbeiten.

All diese Aspekte sind weniger eine Frage des Systems, d.h. es sind primär keine strukturellen Fragen, sondern hauptsächlich Fragen des Geldes. Um Studenten solche Studienbedingungen anbieten zu können, müssen ganz einfach ausreichend Kapazitäten geschaffen werden. Cornell hat für dieses Jahr beispielsweise einen operativen Etat von gut $2.5 Mrd, wovon allein rund 60% für Gehälter der Professoren und Angestellten anfallen. Das sind immerhin Ausgaben in Höhe von $125,000 pro Student pro Jahr – die exorbitanten Studiengebühren in Höhe von $32,800, so sie denn gezahlt werden, decken diesen Betrag also lediglich zu 25%.

Nein, all dies sind keine Argumente für Studiengebühren – werder Cornell, noch Oxford, noch Harvard, noch sonst eine „Eliteuni“ kann der Standard sein. Keine deutsche Universität braucht einen $2 Mrd Etat, es muss keine 5 Sporthallen mit Fitnesscentern geben, und auch auf ein verlustbringendes teures Football Stadion kann in Heidelberg oder Tübingen weiterhin verzichtet werden. Meine bisherigen Ausführungen sollen lediglich eines verdeutlichen: gute Studienbedingungen kosten Geld, viel Geld. Nur aufgrund des immensen Reichtums der Universität werden hier ständig neue Gebäude aus dem Boden gestampft, um Platzmangel zu vermeiden. Es gibt wenig vergammelte Klassenräume, von keiner Decke tropft es. Und gerade mir, als Doktorand, ermöglichen diese immense Ressourcen wahnsinnig viele Möglichkeiten. Im Sommer plane ich beispielsweise eine Kurzreise nach Lateinamerika, um Kontake für meine Promotionsarbeit zu knüpfen, und kann schon fast sicher $3,000 als Förderung zur Deckung meiner Reisekosten einplanen.

Und dies bringt mich zur Haupterkenntnis (welche ich definitiv nicht als erster benenne): deutschen Hochschulen fehlt es eben gerade an Geld. Strukturreformen hin, Studiengebühren her – ein Blick in diese OECD Auflistung (letzte Seite, Tabelle B2.1b) zeigt ganz deutlich, dass Deutschland im vergleich zu anderen industrialisierten Ländern viel zu wenig für Bildung, insbesondere Hochschulbildung ausgibt.

Würde man alleine die Ausgaben für Hochschulen von derzeit 1.1%/BIP auf den OECD Durschnitt von 1.4%/BIP anheben, hätten die deutschen Hochschulen schonmal insgesamt fast €7 Mrd mehr zur Verfügung. Bei ca. 160 Universitäten in Deutschland wären das immerhin durchschnittlich €40 Mio mehr pro Jahr, die eine Universität zur Verbesserung der Studienbedingungen verwenden könnte. Wollte man die Fachhochschulen proportional mitbedenken, wären es immerhin noch durchschnittlich €20 Mio mehr für jede Uni und FH. Nur zum Vergleich: Die Exzellenzinitiative der Bundesregierung beglückt die ausgewählten „Exzellenzcluster“ mit popeligen €6.5 Mio pro Jahr – für gerade mal fünf Jahre.

Die minimale politische Forderung muss also sein: €20 Mio mehr für jede Uni und FH, damit man wenigstens einigermaßen Anschluss an die Länder hält, die sich heutzutage Bildung bereits mehr kosten lassen (allein auf das BIP bezogen liegen immerhin sämtliche Skandinavischen Länder, BeNeLux, Irland, Frankreich, Australien, Neuseeland, USA, Kanada, Japan, Korea und andere vor Deutschland. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass die meisten dieser Länder auch im pro Kopf BIP (nach PPP) vor Deutschland liegen, kann man sich ausrechnen, dass die Disparität nominal noch erschreckender ist).

Wollte man gar zu den Spitzenreitern – USA, Kanada und Süd Korea – in Sachen Bildungsausgaben aufschließen (in rein finanzieller Hinsicht), müsste Deutschland seine Hochschulausgaben mehr als verdoppeln! Die Hochschulen könnten sich in diesem Fall an ca. € 30 Mrd pro Jahr zusätzlich erfreuen – immerhin fast € 90 Mio mehr für jede Uni und FH, im Durchschnitt. Anders ausgedrückt – für jeden der gut 2 Millionen Studenten wären ca. € 15,000 im Jahr zusätzlich verfügbar.

Warum ist Bildung wichtig und was sollte sie wert sein?

Das Herumreiten auf den Zahlen ist kein Selbstzweck. Politiker aller Couleur reden seit Jahren davon, wie wichtig ihnen Bildung angeblich sei, aber niemand ist bereit mal einen großen finanziellen Schritt nach vorne zu wagen und daurhaft, d.h. Jahr für Jahr, €7 Mrd oder mehr in die Hochschulen zu Pumpen. Klar, weder mit € 30 Mio mehr, noch mit €100 Mio mehr käme auch nur eine deutsche Hochschule auf einen Jahresetat von über $2 Mrd. Aber darum geht es zunächst gar nicht – es ist einfach eindeutig und kann gar nicht oftgenug betont werden: Bildung kostet und in Deutschland wird gegeizt.

Wieviel sich ein Land Bildung kosten lässt, muss es natürlich selbst entscheiden. Jedoch sind einige signifikante Aspekte ja durchaus allen bekannt: in einer Welt der offenen Märkte kommt es für die reichen Länder zunehmend auf technologische Fortentwicklung und die Bildung der Arbeitnehmer an, soll der Lebensstandard für das Gros der Bevölkerung erhalten werden (ich will hier keine politische Diskussion über offene Märkte und Globalisierung starten, aber im Moment sind die Märkte nun einmal offen).

Natürlich ist Bildung (für die meisten Menschen, hoffentlich) mehr, als nur Mittel zum Zweck. Für das Individuum ist Bildung ein Weg zu Emanzipation. Für die Gesellschaft ist Bildung, ob wissenschaftlich, musisch oder künstlerisch, sinnstiftend. Allein aus diesen Gründen ist es wichtig und richtig Bildung nachhaltig zu fördern.

Ein Plädoyer gegen amerikanische Verhältnisse

Der Aufruf, und auch hier bin ich nicht der erste, mag etwas sonderbar von jemandem klingen, der selber in den USA studiert. Jedoch, nur weil ich selbst hier exzellente Studienbedingungen an einer amerikanischen „Eliteuniversität“ vorfinde, bin ich nicht so naiv und verschließe die Augen vor den Gegebenheiten an vielen anderen Bildungseinrichtungen (und solche, die sich dafür halten) hier.

Gerade in diesem Punkt, und hier beginnt der oben angesprochene Dialog, bin ich mit Michael Hartmann volkommen d’accord. Seine Ausführungen, z.B. in diesem Radiointerview (Quicktime) oder in diesem Beitrag, zum amerikanischen Bildungs- und Hochschulsystem bringen die Probleme hier weitestgehend auf den Punkt. Ich selber habe mich in diesem Zusammenhang ja bereits zu den Aufnahmepraktiken von Harvard & Co geäußert.

Als einzigen Punkt von Hartmanns Äußerungen über US Hochschulen möchte ich seine Widerlegung des oftmals vorgebrachten Arguments – im Unterschied zu Deutschland hätten in den USA mehr Menschen aus bildungsfernen Familien Zugang zu Hochschulen – direkt hervorheben. Hartmann erläutert überzeugend, dass hier Äpfel mit Birnen verglichen werden:

In den USA verteilen sich die Studierenden auf über 4.000 Hochschulen ganz unterschiedlicher Qualität, von zweijährigen Community Colleges auf dem Niveau deutscher Oberstufen über vierjährige öffentliche Colleges, die in ihrer Qualität von Technikerschulen bis hin zu Berufsakademien reichen, sowie auf staatliche und private Universitäten auf Fachhochschulniveau bis hin zu den berühmten Leuchttürmen der Wissenschaft. Den deutschen Fachhochschulen vergleichbar sind ungefähr 250 dieser Einrichtungen, den deutschen Universitäten ca. 150, die so genannten Doctoral/Research Universities – Extensive. Generell gilt dabei die Regel, dass die soziale Zusammensetzung der Studierenden an diesen Hochschulen umso exklusiver ist, je höher sie in der Hierarchie rangieren und je teurer sie sind. Die untere Hälfte der Bevölkerung schickt ihre Kinder zu fast 90 Prozent auf jene der über 4.000 Hochschulen, die sich bestenfalls auf dem Niveau von Berufsakademien bewegen. Nahezu jedes zweite dieser Kinder geht sogar nur auf eines der Zwei-Jahres-Colleges. Auf die teuren Privatuniversitäten schaffen es gerade einmal drei Prozent von ihnen. Vom Nachwuchs aus reichen Familien geht dagegen jeder fünfte dorthin (Hartmann 2005b: 441f.). Die soziale Zusammensetzung der Studierenden sieht entsprechend aus. An den genannten ca. 150 Research Universities stammen weniger als 10 Prozent aus der unteren Hälfte der Bevölkerung, 74 Prozent kommen aus dem oberen Viertel (Carnevale/Rose 2004: 106; CollegeBoard 2004: 33). Die Rekrutierung ist damit sozial erheblich selektiver als an den deutschen Universitäten, wo allerdings auch bereits zwei Drittel der Studierenden aus dem oberen Drittel der Bevölkerung stammen. Die privaten Eliteuniversitäten sind noch sehr viel exklusiver. Vier von fünf Studierenden kommen dort aus dem oberen Fünftel der Gesellschaft. Jeder fünfte stammt sogar aus den obersten zwei Prozent mit Familienjahreseinkommen von mehr als 200.000 Dollar. Die oberen zwei Prozent der Bevölkerung stellen damit genau so viele Studierende wie die unteren vier Fünftel (Hartmann 2005b: 454; Hill et.al. 2004: 6).

Hier, wie sonst auch, stimme ich mit Hartmann überein, dass eine Amerikanisierung des deutschen Bildungssystems mehr Probleme bereiten würde, als sie lösen könnte. Ich bin mir durchaus bewusst, dass die Ressourcen, die ich hier genieße, an anderen amerikanischen Universitäten vorne und hinten fehlen. Cornell, genau wie die anderen reichen Unis, hat nicht zuletzt soviel Geld, weil der Großteil der Community und State Colleges weder von der Gesellschaft, noch vom Staat ausreichend mit Mitteln versorgt wird. Ich bin da definitiv einer der Nutznießer – aber gesellschaftspolitisch ist dies keinesfalls wünschenswert.

Um den Bogen zu schlagen: meine Ausführung der immensen Ressourcen die es hier gibt galt lediglich der Veranschaulichung, dass die finanzielle Ausstattung noch wesentlich wichtiger ist, als es in der deutschen Debatte Beachtung findet. Wie schon gesagt – keine sinnvolle Reform des deutschen Hochschulsystems wird dazu führen, dass eine Universität über $ 2 Mrd und mehr pro Jahr verfügt. Es gilt allerdings nochmal zu unterstreichen: das braucht es ja gar nicht. Gute Studienbedingungen kann man auch günstiger erreichen (und ich käme auch ohne $ 3000 im nächsten Sommer aus).

Woher soll das Geld kommen?

Das ist im Prinzip die entscheidende Frage und führt direkt zu der Thematisierung von Studiengebühren. Vorneweg sei gesagt, dass auch ich, soweit ich mit den verschiedenen Regelungen vertraut bin, bisher von keinem Studiengebührenmodell in Deutschland überzeugt bin. Trotzdem finde ich es prinzipiell sinnvoll, dass überhaupt über Studiengebühren gesprochen und nachgedacht wird (wie gesagt – die bisherige Implementierung sehe ich auch sehr kritisch). Meine Position nährt sich aus zwei Grundüberzeugungen: Bildung ist, für sich betrachtet, wichtig; und Bildung ermöglicht die Emanzipation des Einzelnen (d.h. unter anderem auch, sie ermöglicht Aufstiegschancen). Und da ich eben beim Geld das primäre Problem des deutschen Bildungssystems festmache, habe ich die Meinung, man sollte Studiengebühren nicht einfach vom Tisch wischen.

Michael Hartmann hat im Prinzip drei Einwände gegen Studiengebühren an deutschen Hochschulen: 1) Die Einnahmen aus Studiengebühren würden, wie in vielen anderen Ländern geschehen, mit aller Wahrscheinlichkeit wieder an öffentlichen Mitteln eingespart werden. 2) Die Marktmechanismen (mehr Wettbewerb unter den Hochschulen, mehr Einfluß für den „Kunden“ Student, etc.) würden erst bei wesentlich höheren Studiengebühren greifen (ca. ab € 10,000/Jahr). Und 3) Alle Argumente, die Studiengebühren als „sozial gerecht“ darstellen, seien fadenscheinig, zumal Abiturienten (bzw. speziell Abiturientinnen) aus armen Familien sich öfter gegen Studium entscheiden, wenn Studiengebühren erhoben werden. Zudem sei der Spitzensteuersatz drastisch abgesenkt worden, wenn das Geld auch direkt in das Bildungssystem hätte fließen können. (Alle Argumente finden sich auch in diesem Radiointerview (RealPlayer)).

Hartmanns Argumente habe alle ihre Berechtigung und sind nicht einfach von der Hand zu weisen. Auch ich sehe klare und deutliche Probleme in allen drei Bereichen, die es zu beachten gilt. Gerade wo es mir um eine bessere Finanzierung des Hochschulwesens geht, auch speziell im Hinblick darauf, mehr Aufstiegschancen für junge Menschen zu ermöglichen (Punkt 3), wäre ein Mechanismus wie in Punkt 1 aufgeführt, und wie in vielen Ländern beobachtet, definitiv ein überzeugendes Argument gegen Studiengebühren.

Als Alternative schlägt Hartmann vor, mehr Steuermittel in die Bildung fließen zu lassen, beispielsweise durch eine Wiederanhebung des Spitzensteuersatzes. Das Argument ist prinzipiell nicht schlecht. Die Steuerreform von Rot-Grün hatte (insgesamt) ein Entlastungsvolumen von knapp € 30 Mrd – et voilà, Deutschland könnte sich an die Spitze in Sachen Bildungsinvestitionen setzen.

Ohne jetzt in ein Debatte für oder wider Steuererhöhungen zu gehen (ganz unproblematisch wären diese ja auch nicht), werde ich zwei der drei Argumentationspunkte von Michael Hartmann hinterfragen. Hierzu bedarf es zunächst einer kurzen Einlassung.

Bildung – Qui Bono?

Hartmanns drittes Argument zielt auf die Gerechtigkeitsfrage ab. Das Stanardargument, wie ich es auch häufig in England gehört habe, lautet: Warum soll der Metzgermeister mit seinen Steuergeldern dem Akademikerkind oder gar dem Millionärssohn das Studium finanzieren? Zumal Arbeitnehmer mit akademischem Abschluss im Durchschnitt später 50% mehr verdienen. (Tabelle A9.2a, Seite 7 – in England ist die Differenz gar fast 60%) Anders formuliert: da die Studenten einen persönlichen Nutzen, in Form höherer Gehälter, aus ihrem Studium ziehen, können sie auch für das Studium bezahlen.

Das Argument ist in vielerlei Hinsicht nicht ganz unproblematisch, jedoch keinesfalls banal. Michael Hartmann macht sich die Sache, meiner Meinung nach, etwas zu einfach: die progressive Einkommensteuer sorgt automatisch für den Ausgleich. Wer später viel verdient, so die Argumentation, zahlt dann ja später auch mehr Steuer. Ein Grund mehr die Spitzensteuersätze wieder anzuheben.

Ich halte das Argument für zu einfach, da es durchaus einen Sinn ergiebt zu Fragen qui bono. Zum einen gibt es durchaus nicht-Akademiker mit hohem Einkommen (wenngleich in der Minderzahl), die in diesem Fall für ein Hochschulsystem überproportional bezahlen würden, welches sie nie in Anspruch genommen haben. Zum anderen ist es argumentativ stichhaltig zu sagen, man besteuert die Quelle des höheren Einkommens in der Zukunft, in Form von Studiengebühren.

Die Probleme mit dem Metzgermeister-Argument sehe ich woanders. Allenvoran ignoriert diese Platitüde, dass Bildung eben nicht nur denjenigen nützt, die sie direkt in Anspruch nehmen (jeder, der mal beim Arzt war, wird das wissen). Durch sog. spillover effects (speziell knowledge und technology spillovers) kommt die Bildung des Einzelnen der ganzen Gesellschaft zu gute. Schon allein deshalb ist Bildung, und wird es immer sein, ein gesamtgesellschaftliches Anliegen.

Daraus folgt, dass selbstverständlich auch der Metzgermeister die Hochschulbildung mitfinanziert. Ein Argument gegen Studiengebühren ist dies jedoch nicht – es ist durchaus plausibel zu vertreten, dass Studenten, eben weil sie später auch direkt profitieren, einen extra Anteil leisten sollen.

Wenn man diese Argumentationslinie soweit akzeptiert, kommt man schnell zum zweiten Punkt in Hartmanns Folgerungen: Wirken sich Studiengebühren negativ auf die Bildungs- und Aufstiegschancen von Menschen aus bildungsfernen Schichten aus?

Die Antwort ist ein eindeutiges: Ja! Aber… Das „Ja“ lässt sich leicht empirisch nachweisen, wie nicht zuletzt die Studentenbewerberzahlen in England nach der letzten Gebührenerhöhung zeigen, vor allem vor dem Hintergrund der rapiden Zunahme von Bewerbungen in den Jahren vor der Erhöhung. Allerdings ist das „Aber“ interessanter – und letztendlich der Kern meiner Argumentation.

Die Probleme an der Wurzel packen

Das Hauptproblem beim Zugang junger Menschen aus bildungsfernen Schichten ist nämlich eigentlich nicht im Hochschulsystem zu finden, sondern im Schulsystem. Selbstverständlich gilt es, diesen Menschen mit Studiengebühren nicht noch mehr Knüppel zwischen die Beine zu werfen, und England ist vielleicht gerade in dieser Hinsicht ein guter Ideengeber (dazu gleich mehr). Dennoch gilt es zunächst das Schulsystem umzukrempeln, und wie schon im Hochschulsystem fehlt es hier massiv an Geld.

Nicht umsonst hat die Pisa-Studie 2003 festgestellt:

PISA 2003 belegt für Deutschland eine sehr enge Kopplung zwischen der sozialen Herkunft
und der mathematischen Kompetenz. Die Mittelwerte für mathematische Kompetenz von
Jugendlichen aus dem oberen Viertel der Sozialstruktur (festgemacht am höchsten Berufsstatus
in der Familie) liegen mehr als eine Standardabweichung über dem entsprechenden
Kennwert für das untere Viertel.
Nimmt man den bei PISA 2003 neu gebildeten Index für den ökonomischen, sozialen
und kulturellen Status (ESCS), findet man auch hier eine im internationalen Vergleich sehr
stark ausgeprägte Kopplung mit einer Mathematikkompetenz, die auf internationalem Durchschnittsniveau
liegt. Die Leistungsdifferenzen zwischen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund
sind in Deutschland sehr stark ausgeprägt; sie sind zu einem Teil auch auf
Differenzen in der sozioökonomischen Lage zurückzuführen. Für Deutschland kann an dieser
Stelle eine eher ungünstige Kombination von Chancengerechtigkeit und Kompetenzniveau
festgestellt werden. Der internationale Vergleich belegt, dass es in einigen Staaten
offensichtlich besser gelingt, Schülerinnen und Schüler aus unterschiedlichen Sozialgruppen
zu einem sehr hohen Niveau mathematischer Kompetenz zu führen.

Unabhängig davon, wie man sonst zu den Pisa-Studien steht, die Erkentnisse sind ziemlich eindeutig. Deutlicher wird dies in folgender Graphik:
pisa2.PNG (PISA 2003 Country Profiles, © OECD, http://pisacountry.acer.edu.au/)

Von allen getesteten OECD Ländern gibt es ganze zwei (!), in denen soziale Herkunft eine größere Auswirkung auf den Lernstand im Fach Mathematik hat, als in Deutschland: Belgien und Ungarn. Alle anderen Länder, ob die USA, das kinderfeindliche Großbritannien, Russland oder die Slowakai, schneiden besser ab. (Auch dieser League Table von UNICEF bescheinigt Deutschland schlechte Noten)

Natürlich spielen hier wahnsinnig viele sozio-ökonomische, sozio-kulturelle und auch systemimmanente Faktoren eine Rolle (Wikipedia hat hierzu einen sehr umfangreichen Artikel, der sehr informativ ist); ich will dies keineswegs auf einen Aspekt reduzieren. Jedoch ist es, wenn man nocheinmal die Tabelle B2.1b betrachtet, erneut auffallend, dass auch im Schulbildungsbereich Deutschland weit weniger Geld investiert, als der OECD Durchschnitt. Und es erscheint wenig glaubhaft, die Chancengleichheit verbessern zu wollen, ohne die Bereitschaft zu zeigen, hierfür Mittel bereit zu stellen.

Wollte man auch im Schulbereich allein auf die Durchschnittsfinanzierung (gemessen am BIP) der OECD gelangen, wären immerhin nochmal €9 Mrd fällig; rechnet man hier noch die private Schulbildung heraus, würden schon €15.4 Mrd fällig, und wollte man zu den Spitzenländern (in Sachen Finanzierung) aufschließen, sind es gar €22 Mrd.

Was hat das mit Studiengebühren zu tun?

Je nach Betrachtungsweise eine ganze Menge. Um in allen Bildungsbereichen allein auf die durchschnittliche Finanzierungsrate innerhalb der OECD zu kommen sind immerhin €16 Mrd notwendig. Will man in wirklich was bewegen und Deutschland im Bereich Bildung dauerhaft konkurrenzfähig halten, reden wir von einer Finanzierungslücke im Bereich von €50 Mrd. Ja, Geld ist nicht alles, und nur mit Geld schafft man noch kein gutes Bildungssystem. Aber ohne ausreichende Mittel eben auch nicht.

Natürlich könnte man jetzt sagen, die €50 Mrd sollten komplett über Steuern finanziert werden. Die Debatte fände auch ich durchaus wichtig und richtig. Aber dies bringt mich direkt zu meinem nächsten Punkt:

Realpolitik

Ja, ein durchaus unangenehmer Begriff; aber gerade aufgrund meiner eher pragmatischen Sichtweise denke ich, man sollte Studiengebühren nicht vollständig vom Tisch wischen. Im Prinzip geht es darum seine Konflikte weise zu wählen – welche haben aussicht auf Erfolg und welche erzielen am ehesten den gewünschten Effekt.

Momentan ist es so, dass die große Mehrzahl aller Studierenden in Deutschland €500 Studiengebühren problemlos verkraften kann. Die Anzahl derer, die am ehesten Probleme haben, liegt wahrscheinlich irgendwo zwischen 10% und 20%. Das ist definitiv nicht wenig und es gilt gerade für diese 20%, die besten Bedingungen herauszuholen. Gleichzeitig muss aber jeder, der mehr Chancengleichheit in Deutschland erreichen möchte, das Augenmerk genauso auf die Schulbildung richten.

In dem Sinne stellen sich mir verschiedene Fragen: Könnten die Gegner von Studiengebühren ihre Aktivitäten nicht darauf konzentrieren, bessere Konditionen für sozial schwache Studenten zu erreichen? Kann man nicht gar die Studiengebühren (die bisher eh allen Widerständen zum Trotz durchgesetzt wurden) als Hebel benutzen, um wesentlich radikalere Veränderungen im Bildungswesen zu erreichen? Ich meine das im Sinne von man sollte die Debatte umlenken. Demonstriert für bessere Studienbedingungen und Finanzierungsmöglichkeiten (auch und gerade des Lebensunterhaltes), statt gegen Studiengebühren. Nehmt den Bildungspolitikern den Wind komplett aus den Segeln, indem ihr die zentralen Themen in Sachen Bildungspolitik in der öffentlichen Wahrnehmung festlegt – und zwar im positiven Sinn. Es ist immer besser selbst Vorschläge zu unterbreiten, als einfach nur Vorschläge zu zerreißen (selbst wenn diese es verdient haben, zerrissen zu werden).

Vielleicht tue ich diversen Aktivisten hier unrecht. Von der „Studentenbewegung“ kamen bei mir allerdings, via Presse, hauptsächlich Parolen wie „das letzte Hemd ausziehen“ an, was auf die allermeisten Studenten in keinem Fall zutrifft. €500 sind für die Mehrzahl keinesfalls das letzte Hemd – in Südengland ist das noch nicht einmal eine Monatsmiete. (Und nein, ich komme nicht aus einem reichen Elternhaus und habe mich phasenweise von Keksen ernährt.) Vielleicht sind es ja auch gerade solche Parolen, die einem niemand abnimmt, die dazu geführt haben, dass die „Bewegung“ letztendlich im Sande verlaufen ist. Da ist es doch allemal besser, auf Konstruktivität statt auf einfache Destruktivität zu setzen – die Wahrscheinlichkeit etwas zu verbessern ist, meiner Einschätzung nach, jedenfalls größer.

Hartmann revisited

Nach all diesen Appellen noch einmal zurück zu Michael Hartmann. Bisher habe ich mich hauptsächlich zu seinem dritten Kritikpunkt („soziale Gerechtigkeit“) geäußert. Ich teile auf jedenfall seine Sorgen in diesem Bereich und möchte deshalb nochmal auf das Beispiel England zurückkommen.

Die Erhöhung der Studiengebühren, die sog. top-up fees, sind jetzt seit Sommer 2006 in Kraft. Die Studiengebühren betragen jetzt an fast allen (mit lediglich einer Handvoll Ausnahmen) englischen Hochschulen £3,000. Das dies zunächst für einen Dämpfer bei den Studienplatzbewerbungen geführt hat (im Vergleich zu dem rapiden Wachstumsraten der vergangenen Jahre), habe ich bereits erwähnt. Allerdings sieht die Sache bereits dieses Jahr wieder anders aus: Die Zahl der Studienbewerber für 2007/2008 stieg um satte 6.4%.

Gerade deshalb lohnt es sich die neue Regelung genauer zu betrachten. Zu meiner Zeit waren £1,100 zu Beginn des Studienjahres fällig (es sei denn, die Eltern verdienten weniger als eine bestimmte Einkommensgrenze, wodurch die Studiengebühren im Zweifel ganz erlassen wurden). Jeder einheimische Student hatte zudem einen Anspruch auf ein zinsloses Darlehen zur Bestreitung des Lebensunterhaltes.

In der neuen Regelung muss kein Student die Studiengebühr vorab entrichten. Bezahlt werden muss erst, wenn eine bestimmte Einkommensgrenze im späteren Berufsleben erreicht wird (£15,000/Jahr). Die Studiengebühren und die Darlehen zur Lebensunterhaltsfinanzierung werden ab diesem Zeitpunkt einfach über die Einkommensteuer eingezogen, und zwar mit 9% für jeden Sterling überhalb dieser Einkommensgrenze.

Ich würde behaupten, dass solch ein System langfristig wenig abschreckend auf Studenten aus bildungsfernen Familien wirken dürfte. Man kann sich sicherlich über die Einkommensgrenze streiten (£15,000 sind für britische Verhältnisse recht niedrig angesetzt – ich kenne aber auch Leute, die haben in Oxford beispielsweise von £17,000 gelebt. Bei denen wären dann £180/Jahr an Sondersteuer angefallen, also £15/Monat, oder 5 Bier im Pub). Kritisch könnte man auch anführen, dass die Studienkredite zur Bestreitung des Lebensunterhaltes fortan mit der Inflationsrate „bezinst“ werden; allerdings kann diese Verschlechterung nur schwer als „unfair“ bezeichnet werden.

Deshalb finde ich, dass eine solche Regelung zumindest Punkt drei in Hartmanns Argumentation weitestgehend entkräftet. Bleibt die Frage, ob dadurch mehr Geld für die Hochschulen vorhanden ist (Punkt 1). Zumindest für England muss man sagen, dass die Regierung die Wichtigkeit von Bildung vollends erkannt hat – von Kürzungen öffentlicher Förderungen der Hochschuletats ist mir bisher nichts bekannt.

Im Gegenteil: mitunter verschaffen die top-up fees den nötigen Spielraum, um Pläne wie die des Finanzministers (und zukünftigen Premiers) Gordon Brown zu verwirklichen, welcher die finanzielle Austattung der Schulen drastisch verbessern möchte – immerhin um 60%.

Es gibt und gab viel Widerstand vor der Einführung von top-up fees in England – aber anders, als bei deutschen Bildungspolitikern, habe ich bei den Briten eher das Gefühl, dass man sich über die meisten kontroversen Aspekte viele Gedanken gemacht hat. Es gibt sowas wie eine Vision, ein Ziel – z.B. die konkrete Zielmarke, 50% aller Jugendlichen eine Hochschulbildung zu ermöglichen. Ob dies möglich ist, oder ob wirklich jeder zweite studieren muss, darf man durchaus diskutieren – aber ein konkretes Ziel ist allemal besser, als leere Versprechen deutscher Bildungspolitiker. Ich fände die britische Regelung in jedem Fall auch für Deutschland interessant.

Schulden, eingetretene Türen und der Tod der Geisteswissenschaften

Als letzten Punkt beleuchte ich nochmal drei Befürchtungen, die in jedem Fall wichtig und signifikant sind. Zum einen sind da die hohen Schulden, die englischen Studenten viele Sorgen bereiten – nach drei Jahren Studium (bis zum BA) steht man erstmal vor einem Berg von immerhin £27,000 (über €40,000). Der zweite Aspekt betrifft die Befürchtung, dass geringe Studiengebühren (wie sie jetzt in Deutschland eingeführt werden) die Tür zu immer weiteren Erhöhungen öffnet, wenn Fall 1) von Hartmanns Argumentation eintritt. Als letzter Punkt führen Studiengebühren mitunter dazu, dass Studenten Fachrichtungen auswählen, bei denen sie sich gute Berufschancen ausmahlen – Jura, BWL, Medizin – und die Geisteswissenschaften, abgetan als „Brotlose Kunst“ im Unibetrieb an den Rand gedrängt werden.

Dies sind mitunter die besten Argumente gegen Studiengebühren, und alle drei Aspekte bedürfen genauster Überlegung.

Was Schulden betrifft, so sind diese durchaus problematisch für den einzelnen Studierenden, da er oder sie keinerlei Garantie hat im späteren Berufsleben wirklich überdurchschnittlich zu verdienen. Das Studium mag sich als „unprofitabel“ erweisen und der Student zahlt mitunter jahrzehntelang seinen Kredit beim Staat ab.

Allerdings scheint die Regelung in England auch hier nicht wirklich schlecht zu sein. Jemand, der wirklich nie viel verdient, wird seinen Kredit mitunter nie vollständig zurückzahlen. Die Schulden stehen erstmal nur auf dem Papier, und sollte man wirklich mal ein lukratives Gehalt beziehen, tun die 9% „Reichensteuer“ auch nicht wirklich weh. Da geht es mir schon deutlich schlechter, da ich meine Schulden so oder so zurückzahlen muss – und das sollte ein gut durchdachtes Studienfinanzierungssystem in jedem Fall vermeiden.

Der zweite Punkt ist schon schwieriger. Langfristig kann natürlich auch in England öffentliche Förderung durch Studiengebühren ausgetauscht weren – eine schleichende Amerikanisierung des Systems. Schon jetzt verlangen einige Universitäten, höhere Studiengebühren berechnen zu dürfen – die LSE holt sich schon jeden zweiten Studenten aus Übersee, da diese unbegrenzt abkassiert werden dürfen, und Oxford und Cambridge drohen seit eh und je, sich ganz vom öffentlichen System abzukoppeln.

Diese Gefahren sind durchaus real und im Zweifel hilft hier nur entschlossener politischer Widerstand. Solange deutsche Hochschulen allerdings 100% staatlich bleiben, sollte diese Gefahr abwendbar sein. Das amerikanische System speist sich eben hauptsächlich aus privaten Universitäten, die keinerlei Hemmschwellen haben – der Wähler kann ihnen einfach nichts. In Deutschland kann man über private Initiativen bisher eigentlich nur lächeln – eine richtige private Hochschule gibt es nicht. Und selbst die großmauligen Ankündigungen der Privatwirtschaft, eine Mangerschmiede gründen zu wollen, haben bisher in der Realität keine Entsprechung gefunden – €50,000 für einen MBA, der noch keinerlei Praxisbewährung hat, würde ich jedenfalls nie im Leben hinblättern.

Bleibt der letzte Punkt, welcher meiner Meinung nach am schwersten wiegt. Wer bezahlt denn schon für ein Studium in Kunstgeschichte, Altphilologie oder Literatur? Als Lösungsvorschlag würde ich hier ganz klar vom britischen System abweichen: Studienfächer, die keine lukrativen Berufsaussichten bieten, bleiben Gebührenfrei, oder kosten sehr wenig. Welche Fächer in diese Kategorie fallen, könnte nach bestimmten Kriterien jedes Jahr neu festgelegt werden. Jedoch muss eine ausreichende Förderung durch öffentliche Gelder gewährleistet werden. Sicherlich kein wasserdichter Vorschlag, aber schlechter als heute würde es diesen Fachbereichen im Zweifel auch nicht gehen.

Konklusion

Wer bis hierhin gelesen hat, hat zumindest einiges an Ausdauer bewiesen. Feedback ist gerne erwünscht (würde mich freuen zu wissen, ob überhaupt jemand diesen Text ganz gelesen hat).

Ich hoffe die Diskussion hat dem einen oder anderen zumindest einen neuen Aspekt aufgezeigt – alles wurde bestimmt schon woanders gesagt, aber oftmals geht in der oftmals einseitigen öffentlichen Diskussionen auch so einiges unter.

Mir geht es letztendes darum, dass jeder Student gute Studienbedingungen erhält; zusätzlich zu mehr Möglichkeiten für Leute aus bildungsfernen Schichten. Hierfür braucht es eben viel Geld – und deshalb bin ich im Zweifel (oder „in the last instance“) eben für Studiengebühren.

Es gibt noch so viele andere wichtige Dinge, die in der öffentlichen Diskussion mehr verankert werden müssen – Aufrechterhaltung der Bildung in der Breite; Verhinderung des „Matthäus Prinzips“; ein besseres Finanzierungssystem, als Bafög; usw. usw. In all diesen Dingen stimme ich mit Michael Hartmann und vielen anderen 100%ig überein. Diese Diskussionen dürfen nur nicht untergehen im Lärm um Studiengebühren.

In diesem Sinne:

One hundred victories in one hundred battles is not the most skillful. Seizing the enemy without fighting is the most skillful.

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