Der alternative Radiosender Democracy Now berichtet von einer Anhörung vor dem Supreme Court über Schulintegrationsmaßnahmen in einigen Verwaltungsbezirken.

Schulverwaltungen in Seattle und Lousiville (Kentucky) implementierten Richtlinien, nach denen Schüler unterschiedlicher Ethnien/Rassen möglichst gleichmäßig auf die Schulen innerhalb des Verwaltungsbezirks verteilt werden sollen. Demanch wurde es einigen Schülern nicht erlaubt, die Schule zu wechseln, um den „racial mix“ nicht zu gefährden.

Wenngleich ich die Details dieser beiden Fälle nicht kenne, so zeigt diese Diskussion wieder eines ganz deutlich: in den USA ist das Thema „Rasse“ nach wie vor kontrovers. Dabei sehe ich das Problem in diesem Fall eher als ein sozialpolitisches. Das Problem mit den Schulen rührt nämlich daher, dass die Finanzierung der Schulen zum größten Teil durch kommunale Grundsteuern sichergestellt wird. Nun gibt es aber schon seit Jahrzehnten den Trend, dass wohlhabende Familien von den Innenstädten wegziehen und die Vororte (Suburbs) bevölkern. Dort stehen den Schulen dann auch meist ausreichend Finanzmittel zur Verfügung.

Das hat in sofern mit „Rassenpolitik“ etwas zu tun, als dass diese sozioökonomische Segregierung eine quasi-Rassensegregierung mit sich bringt. Schwarze haben im Schnitt über 30% weniger Einkommen, als Weiße, jedes zweite (sic!) schwarze Kind wächst unter der Armutsgrenze auf (demgegenüber nur jedes sechste weiße Kind), Schwarze sind doppelt so oft Arbeitslos, verlieren ihre Jobs schneller in Rezessionen, usw. usw. So sind die Innenstädte hauptsächlich von armen schwarzen Familien bevölkert, welche ihre Kinder auf unterfinanzierte innerstädtische Schulen schicken.

Ob es unter diesen Gesichtspunkten nun sinnvoll ist, einige (glückliche) Kinder auf bessere Schulen zu schicken, und einige (unglückliche) Kinder auf die schlechteren, nur des Mixes wegen, wage ich doch eher zu bezweifeln (wie gesagt, ich kenne die Details dieser Fälle nicht – die Diskussion ist aber ähnlich, wie bei den von Bush favorisierten „Voucher“ System). Stattdessen sollte man zusehen, dass alle Schulen adäquate Bildung anbieten – der „Rassenmix“ würde sich eventuell dann von ganz alleine vollziehen, oder zumindest verbessern.

Aber in den USA ist es nunmal einfacher über „Rassenpolitik“ zu reden, als über Sozialpolitik. Schließlich können die meisten Amerikaner mit dem Begriff „Rassendiskriminierung“ noch etwas anfangen. Armut hingegen wird immernoch häufig als „selbst verursacht“ angesehen – man hätte sich ja einfach etwas mehr anstrengen können.

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