Zu den Hintergründen, warum ich im Ausland studiere, habe ich ja schon einiges gesagt. Allerdings möchte ich hier ein wenig näher auf meine Motivation eingehen und einige Dinge ansprechen, die in der Öffentlichkeit des öfteren diskutiert werden, oder die mir als weitverbreitete Vorurteile in der Vergangenheit begegnet sind.

Zunächst einmal eine Klar- bzw. Feststellung (und dies kann ich eigentlich gar nicht genug betonen!): viele Dinge, die über das Studieren im Ausland (und ich meine hiermit speziell den anglo-amerikanischen Raum) gesagt oder geschrieben werden, sind entweder schlichtweg falsch, oder sie geben ein arg verzerrtes Bild wieder. Egal ob es um Debatten über Eliteuniversitäten, Braindrain, Bildungspolitik im allgemeinen oder sozio-ökonomische Aspekte im speziellen geht, es entsteht ein gewisses Zerrbild, was beispielsweise zu regelrechten Mythen über Harvard oder Oxbridge in Deutschland führt. Hier erhoffe ich mir, einiges gerade rücken zu können, wenngleich nur mithilfe meiner subjektiven Eindrücke. Zumindest habe ich zu solchen Debatten einen etwas priviligierten Zugang und kann versuchen, die verschiedenen Themen anderen zugänglicher zu machen.

Fakt ist in jedem Fall, dass auch an den Top-Universitäten in England oder den USA nur mit Wasser gekocht wird. Wer sich allein aufgrund von Mythen und der vermeintlichen Reputation dazu entschließt, es hier und dort zu versuchen, wird unter Umständen sehr ernüchtert sein. Ein Studium sollte ein wohlüberlegter Schritt sein, ob in Deutschland oder im Ausland, und im Nachhinein hätte ich mir schon über einige Dinge mehr Gedanken machen sollen. Nein, ich bereue es nicht in Oxford studiert zu haben; aber mit ein wenig mehr Überlegtheit und ein wenig mehr Vorbereitung wäre mir wahrscheinlich so manche Enttäuschung erspart geblieben (dazu später mehr).

Wieso bin ich denn nun ein Bildungsflüchtling? Zunächst vielleicht: der Begriff selbst scheint semantisch ja doch ein wenig eigenartig. Schließlich flüchtet der Bildungsflüchtling ja nicht vor Bildung, sondern erhofft sich ja, diese gerade durch seine „Flucht“ zu finden. Diese Hoffnung, mit all den bekannten Assoziationen (bessere Studienbedingungen, kürzere Studienzeiten, etc.) hatte ich in jedem Fall schon; jedoch ist dies, denke ich, nicht der Hauptgrund für meinen Weg ins Ausland.

Vielmehr hatte ich schon früh Fernweh, bin viel gereist, und fühlte mich immer davon angezogen, Menschen aus anderen Kulturen kennenzulernen und andere Lebensweisen zu erfahren. Für jeden, der den Schritt ins Ausland wagen möchte (zumindest, wenn es über ein oder zwei Auslandssemester hinaus gehen soll), ist dies eigentlich eine Grundvoraussetzung. Neugier und Offenheit sind in jedem Fall essentiell.

Demnach sehe ich mich auch weniger als „Flüchtling“. Im Gegenteil: ich hatte immer vor, irgendwann nach Deutschland wieder zurück zu kehren (die Stimmung war nicht halb so mies, als ich Deutschland verließ), und vielleicht sogar nochmal an einer deutschen Universität zu studieren. Heute sehe ich das durchaus etwas anders, nicht zuletzt, weil die Stimmung so mies ist und mich Politik in Deutschland einfach nur noch deprimiert. (um die Kritik vorneweg zu nehmen: ja, Politik deprimiert mich auch in anderen Ländern, aber als Deutscher habe ich eben einen besonderen Bezug zu dem, was in Deutschland passiert. Amerikanische, britische oder indonesische Politik betrachte ich auch kritisch, aber ich stehe dem doch distanzierter gegenüber.)

In diesem Sinne sei gesagt, dass der Wunsch, im Ausland zu studieren, unabhängig davon vorhanden sein sollte, ob die Studienbedingungen jetzt wirklich so viel schlechter in Deutschland sind, oder nicht. Leider entsteht durch die zahlreichen Bilder, die in den Medien gezeichnet werden, schon fast ein gewisser Druck, es im Ausland zu versuchen. Ich werde in den nächsten Wochen noch einiges über verschiedene Mythen und Gerüchte schreiben, allen voran über so wahnsinnig „informative“ Beiträge, wie die „Mail aus Yale“ Kolumne auf Spiegel Online. Gerade solche „Homestories“ vermögen es nicht, Vor- und Nachteile adäquat darzustellen und zu thematisieren; sie kreieren und erhalten eben das Image der Eliteuniversität, an der alles Super ist, nur perfekte Menschen studieren, die nie in ihrem Leben irgendwelche Probleme haben, und erzeugen durch dieses Image eben oftmals falsche Träume.

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